It Follows | Ein Film, der einem nachläuft wie ein Albtraum

Vor nicht allzu langer Zeit schaute sich (der von mir verehrte) Laird Barron einen Film an und schrieb einen kurzen Blogartikel darüber. Er erzählte dort auch von einem Albtraum, der ihn seit 20 Jahren verfolgt:

And the scenario is always the same: It’s late and overcast. Dead leaves cover the wet lawns and clog the gutters. Streetlamps ignite a murky twilight haze and my shadow stretches before me. Something awful trails me. I don’t know what it is, or where it is, except that it’s malevolent and that it only emerges between glances over my shoulder, inexorably closing the distance. I wake before I make it to my door and the sense is that moment of awakening is the moment of my death.

(L. Barron, Blog)

Auf deutsch also ungefähr:

Das Szenario ist immer das selbe: Es ist spät und bewölkt. Tote Blätter bedecken die nassen Rasenflächen und verstopfen die Gullis. Die Straßenlaternen erleuchten einen trübe dämmrigen Dunst und mein Schatten streckt sich lang vor mir aus. Etwas Entsetzliches ist mir auf der Spur. Ich weiß nicht, was es ist oder wo es ist, sondern nur, dass es bösartig ist und lediglich zwischen den kurzen Blicken über die Schulter auftaucht, unerbittlich die Distanz zu mir verkürzend. Ich wache auf, bevor ich meine Haustüre erreicht habe und ich spüre, dieser Moment des Erwachens ist der Augenblick meines Todes.

Ich kenne diesen Traum, in einer Variation träume ich ihn auch, seit ebenfalls ungefähr 20 Jahren (damals, beim ersten Mal, war ich Mitte Zwanzig und ich erinnere mich bis heute). Bei mir ist meist nicht nachts, aber es ist immer bewölkt, eine gleichmäßig leuchtend graue Glocke liegt über einer entvölkerten Welt. Weil es nur graues Licht gibt, habe ich keinen Schatten, nicht einmal das. Ich bin vollkommen allein. Ich gehe durch leere Straßen, nichts, absolut nichts rührt sich. Dann spüre ich die Anwesenheit, dann spüre ich ES hinter mir. Wenn ich mich umdrehe, ist nichts da. Wenn ich gehe, folgt es mir. Ich wache auf in dem Moment, in dem ich einen kalten Hauch im Nacken spüre und weiß, dass ich den Atem des Todes gespürt habe – meines Todes.

Soweit, so nicht so schön. Was ist nun mit dem Film? Um welchen geht es überhaupt? Kurze Antwort: Ich spreche von IT FOLLOWS und er ist großartig.

Lange Antwort: IT FOLLOWS ist von jemandem gemacht, der das Genre liebt und kennt (Regie und Buch: David Robert Mitchell). Die Kameraführung ist exquisit, die Musik* unglaublich gut. Die Farben sind genau so trist, wie sie am Ende der Kindheit nun einmal sind. Herausragend und im Genre eben nicht selbstverständlich, sind die Charktere: tief, differenziert, echt.

*Musik von Disasterpeace, Kostprobe:

IT FOLLOWS ist kein Film, der einen etwas geübten Horrorfan permanent aus dem Sessel hebt; eher ballt man 100 Minuten lang die Fäuste, hält die Luft an. Und dann, plötzlich, hat man diesen kalten Atem im Nacken … Ich könnte noch lange weiter schreiben, über die Motive und Symbolik (Wasser!), aber ich verweise lieber noch auf einen anderen, sehr interessanten Blogbeitrag von Stephen Graham Jones, einem von mir ebenfalls hochgeschätzten Horror-Autor. Er ist wie Barron begeistert vom Film und erzählt auch, warum  – nicht ohne einen Ausflug ins Slasher-Genre zu machen. (Nein, IT FOLLOWS ist kein Slasher. Es ist eben ein Follower.) Dieser Film erzählt ausschließlich von Letzten Dingen und wird in Zukunft für mich die Referenz sein, wenn man mich fragt, warum ich Horror schaue.

Barron beendet seinen Blogartikel übrigens mit der Vermutung, dass viele von uns jenen Traum träumen, den Traum vom Erwachen in den Tod, und dies nicht unwesentlich dazu beträgt, dass IT FOLLOWS so gut ist. Er hat natürlich Recht.

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