GEGEND IN GEDANKEN

Als an Fantastischem interessierte Autorin finde ich es ganz natürlich, ein Landschaften-Fan zu sein. Praktisch jedes Gelände, das ich in meinen Gedanken oder Texten durchwandere, gibt es in Wirklichkeit – irgendwo. Und es ist meistens fantastisch, denn die Natur ist in ihrer Kreativität unerreicht und oft unfassbar. Ich bin sehr gern (und viel zu selten) draußen unterwegs; und virtuell folge ich gerne Fotografen, z.B. denen von National Geographic, auf ihren Trips.

Carsten Peter by Carsten Peter

Carsten Peter – Biologe, Kletterer und Entdeckerfotograf | Bild: Carsten Peter

Einer der ganz großen, der oft abseits der Wege geht, ist Carsten Peter; sein Abstieg in die Höhle Son Doong in Vietnam hat mir wertvolle Infos zu den Ubid Engat geliefert, den Ungezählten Schluchten in Band Zwei von ZWÖLF WASSER.

Mallorca 170 _

Alles gesehen, überall gewesen: Hier stehe ich oft in Gedanken und war auch in Wirklichkeit dort – Mallorca. | Bild: E.L. Greiff

Wenn ich schreibe, sehe ich immer sehr viel. Alles ist für mich vollkommen real, Gegenden entrollen sich in meinem Kopf, ich kann sie durchwandern, durchreiten oder darüber hinweg fliegen und ich kann Landmarken setzen, an die ich jederzeit zurückkehren kann. Solche Bäume, Felsformationen, Furten, Klüfte oder besonders prägnanten Küstenlinien sind wie Portale: Ich muss nur die Augen schließen, mich darauf konzentrieren und kurze Zeit später bin ich da. Manchmal hat sich seit dem letzten Besuch das Wetter verändert oder ich werde gar von einer anderen Jahreszeit überrascht – ansonsten kann ich von solchen Landmarken aus aufbrechen zu neuen Erkundungstouren. Eine derartige Vorstellungskraft ist einerseits sehr praktisch (für einen Autor), andererseits problematisch (für einen Autor). Denn bloß weil ich es mir gut vorstellen kann, kann ich nicht automatisch eine lebhafte Beschreibung davon geben. Was ich sehe, ist im Grunde irrelevant – was die Leser sehen, das ist wichtig. Meine Lektorin versäumt es jedenfalls nie, mich darauf aufmerksam zu machen und es ist vor allem ihr zu verdanken, dass man sich in meinen Büchern nicht permanent verirrt.

Vor Jahren beschrieben, kürzlich gefunden: Ein Bild der Aschenlande. Genau so hatte ich es mir vorgestellt, das zerstörte Land der Welsen, sogar das Licht stimmt exakt. | Bild: Hans Jörgen Johansen

Vor Jahren beschrieben, kürzlich gefunden: Ein Bild der Aschenlande. Genau so hatte ich es mir vorgestellt, das zerstörte Land der Welsen, sogar das Licht stimmt exakt. | Bild: Hans Jörgen Johansen

Es übrigens selten so, dass mich ein Landschaftsfoto zu einer Gedankengegend inspiriert, die ich dann im Kopf entrolle und durchwandere und am Ende sogar beschreibe. Meist ist es anders herum. Ich gehe als Begleitung einer meiner Figuren los, entdecke dies und jenes, und dann finde ich vielleicht später das passende Bild. Ich suche nicht aktiv danach, aber ich halte die Augen offen. Denn das Bild eines andern kann eine noch etwas unscharfe Fantasie – vielleicht könnte man auch von Vision sprechen – konkreter machen. Selten ist es so frappierend wie beim obigen Bild der Aschenlande; es hat mich richtig glücklich gemacht, dass jemand das genau gleiche Bild im Kopf hatte wie ich.

Sieht das Unsichtbare und bildet es ab: Foto-Magier Andy Lee | Bild: Andy Lee, aus der Serie Blue Iceland

Sieht das Unsichtbare und bildet es ab: Foto-Magier Andy Lee | Bild: Andy Lee, aus der Serie Blue Iceland

Einer, dessen Bildern ich aber eventuell doch einmal hinterher schreiben werde, ist Andy Lee. Seine Arbeit beeindruckt mich und wenn ich mir seine Infrarotaufnahmen von Island ansehe, möchte ich am liebsten sofort die Augen zumachen und loslaufen. Ich meine, wer infrarot fotografiert und auf solch magische Art und Weise, kann eigentlich nicht nur an einer allgemein akzeptierten Wirklichkeit interessiert sein. Sondern auch an dem, was direkt hinter der dünnen Membran steht, in die wir unsere Realität hüllen – und das ist nun einmal meist fantastisch.

 

(Beitragstitelbild ebenfalls von Andy Lee aus der Infrarot-Serie Blue Iceland. Lee: „Infrared and Iceland, a match made in heaven.“)

 

 

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3 Gedanken zu “GEGEND IN GEDANKEN

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